Die Muttersprache hat Priorität

Damit die Fremdsprachen in der Primarschule eingeführt werden konnten, mussten Lektionen bei anderen Fächern abgebaut werden, z.B. im Fach Deutsch. Nun zeigen Untersuchungen, dass die Fähigkeiten von Schulabgängern in der Muttersprache zum Teil sehr schwach sind. Auch viele Lehrmeister bemängeln die ungenügenden Kenntnisse in der Erstsprache. Damit die Muttersprache gezielt gefördert wird, soll die zweite Fremdsprache erst in der Oberstufe beginnen. 



Die Erfolgsbilanz des Italienischen ist ungenügend

Trotz der Aus- und Weiterbildung der Primarlehrer, trotz Evaluationen und neuen Lehrmitteln: Zu Beginn der Oberstufe beginnen wieder alle Schüler von vorne. Sehr viele Schüler verfügen am Ende der Schulzeit nur über einfachste Kenntnisse von Italienisch und dies nach jahrelangem Unterricht! Die gravierenden Missstände sind bekannt, trotzdem wird von verantwortlicher Seite geschwiegen. Wir dürfen es nicht länger zulassen, dass das Experiment Frühitalienisch auf Kosten von Schülern, Eltern und Lehrern umgesetzt wird.



Ein späterer Beginn ist kein Nachteil

Die Promotoren des frühen Fremdsprachenunterrichts haben grosse Erwartungen geweckt. Viele Studien zeigen nun, dass ein späterer Beginn zu besseren Resultaten führt. Die Initiative erlaubt dem Gesetzgeber beispielsweise Italienisch an der Oberstufe gezielt zu fördern. Damit verhilft die Initiative letztlich zu besseren Italienischkenntnissen bei Schulaustritt und verhindert gleichzeitig teure Lehrmittelanschaffungen während vier Jahren Primarschule.



Graubünden fehlen Italienischlehrkräfte

Es ist nicht erstaunlich, dass sich Lehrerstudierende immer seltener für Italienisch als Fremdsprache entscheiden. Graubünden ist nämlich der einzige Kanton, welcher Italienisch als obligatorische Fremdsprache vorschreibt. Schon jetzt zeichnet sich ein Mangel an ausgebildeten Lehrkräften für den Italienischunterricht ab. 



Eine sprachlastige Primarschule benachteiligt Knaben

Nebst den Fremdsprachen sind auch Fächer wie Deutsch, Mathematik oder Realien wichtig für die schulische Laufbahn eines Kindes. Bei zwei Fremdsprachen an der Primarschule müssen gezwungenermassen Lektionen in anderen Fächern gestrichen werden. Erfahrungsgemäss sind es die Knaben, die unter einem sprachenlastigen Stundenplan leiden. Dies zeigt sich auch an den Schülerzahlen im Gymnasium: Die Mädchen haben die Knaben längst abgehängt.



Endlich das Volk mitreden lassen

Das Bündner Sprachenkonzept wurde konsequent am Volk und an den Bedürfnissen der Jugend vorbei geplant. Die obligatorischen Fremdsprachen und deren Abfolge berücksichtigen in erster Linie regionalpolitische und keine pädagogischen Aspekte. Insbesondere werden dabei die Interessen der Deutschbündner vernachlässigt. Diese orientieren sich beruflich an der Ostschweiz. Eine erdrückende Mehrheit der Bündner Lehrpersonen und viele Eltern stehen nach wie vor nicht hinter dem nun geltenden Sprachenkonzept. Die Stimmbürger sollen Gelegenheit haben, sich zu dieser Frage zu äussern.



Heutiges System benachteiligt fremdsprachige Kinder

Die Integration von Kindern mit anderen Muttersprachen als den Kantonssprachen ist mit dem heutigen Bündner Sprachenmodell schwierig. Viele dieser Kinder müssen zusätzlich zu den beiden Frühfremdsprachen noch Hochdeutsch und Mundart lernen, oft besuchen sie zusätzlich noch Unterricht in ihrer eigenen Muttersprache. Wer kann aber gleichzeitig erfolgreich so viele Sprachen lernen? 



Qualität vor Quantität

Die Regelung mit zwei Fremdsprachen an der Primarschule hält nicht, was sie verspricht. Sie ist ineffizient, bindet Ressourcen und schadet unseren Kindern. In dieser Situation braucht es den Mut, auf Qualität zu setzen. Weniger ist mehr. 



Weniger Fachlehrkräfte

Ein wichtiger Erfolgsfaktor der Schule ist die Beziehung zwischen Klasse und Lehrperson. Je mehr Fächer die Klassenlehrkraft erteilen kann, umso stabiler und vertrauenswürdiger wird das Verhältnis zwischen den Kindern und ihrer Lehrkraft. Die beiden Frühfremdsprachen sind dafür verantwortlich, dass oft Fachlehrkräfte für den Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden. Dadurch wird die Position der Klassenlehrkraft geschwächt. Dieses Problem wird zusätzlich durch die Lehrkräfte der integrativen Förderung verschärft. 


Graubünden ist frei

Harmos regelt die Eckwerte des Schweizer Bildungssystems einheitlich. Im Bereich der Fremdsprachen ist Harmos allerdings alles andere als einheitlich. Es bestehen je nach Landesgegend sehr unterschiedliche Varianten der Dauer und der Abfolge des Fremdsprachenunterrichts. Da Graubünden – zusammen mit weiteren Kantonen – Harmos nicht beigetreten ist, ist der Kanton in der Regelung seiner Schulsprachen nur an das Sprachengesetz gebunden. Dieses sagt in Artikel 15: „Sie (Bund und Kantone) setzen sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für einen Fremdsprachenunterricht ein, der gewährleistet, dass die Schülerinnen und Schüler am Ende der obligatorischen Schulzeit über Kompetenzen in mindestens einer zweiten Landessprache und einer weiteren Fremdsprache verfügen.“Daran hält sich die Fremdspracheninitiative, denn die zweite Landessprache (Italienisch) wird ja beibehalten.